Wenn Legenden ihre Geschichte treffen

Meissi Herbst

Kurz vor 10 Uhr herrschte am Heldenplatz bereits geschäftiges Treiben. Die letzten Vorbereitungen liefen, wenige Minuten später sollte der 25. Tag des Sports offiziell eröffnet werden. Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt nutzte die Zeit unmittelbar davor für einen Abstecher in das neue Sportmuseum. Vitrinen, historische Trophäen, Trikots und Erinnerungsstücke: Schmidt nahm sich Zeit, um sich ein umfassendes Bild von jener Zeitreise zu machen, die eigens für die Jubiläumsausgabe zusammengestellt worden war.

Auf wenigen Metern erzählte die Ausstellung 25 Jahre österreichische Sportgeschichte – von großen Erfolgen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften bis hin zu besonderen Momenten aus Fußball, Tennis, Ski, Eishockey oder Basketball. Zu sehen waren unter anderem die legendäre Kitzbühel-Gams, die Adelboden-Glocke, der ursprüngliche Meisterteller der österreichischen Fußball-Bundesliga, Dominic Thiems Siegerpokal von Wien 2019 und ein originaler NIKI, jene Statue, die die Sportler:innen des Jahres als Auszeichnung bekommen.

Doch richtig lebendig wurde die Ausstellung an diesem Tag durch jene Menschen, die selbst Teil dieser Geschichte sind.

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Mirna trifft Mirna

Für Ex-Schwimm-Star Mirna Jukić-Berger wurde der Museumsbesuch zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Einige ihrer wertvollsten Medaillen waren Teil der Ausstellung – darunter ihr wohl bekanntestes Erinnerungsstück: die Bronzemedaille über 100 Meter Brust von den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Die ehemalige Schwimmerin blieb vor der Vitrine stehen, betrachtete ihre eigenen Exponate und traf damit gewissermaßen auf die Athletin, die sie vor vielen Jahren selbst gewesen war.

„Wenn man seine eigenen Medaillen plötzlich hinter Glas sieht, ist das schon ein ungewohntes Gefühl. Im ersten Moment denkt man sofort wieder an die Rennen, die Vorbereitung und die Emotionen im Ziel. Mit etwas Abstand merkt man aber auch, wie viele Geschichten hinter diesen kleinen Stücken Metall stecken. Dass sie hier Teil von 25 Jahren österreichischer Sportgeschichte sein dürfen, freut mich sehr“, so Jukić-Berger.

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Rangnick neben Alaba und Arnautović

Auch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick machte am Weg zur ÖFB-Pagode einen kleinen Abstecher ins Museum und hatte dabei an zwei lebensgroße Figuren Gefallen gefunden: eine im Trikot von David Alaba, die andere jenem von Marko Arnautović nachempfunden.

Rangnick brauchte nicht lange für die passende Reaktion. Er stellte sich zwischen die beiden, nahm kurzerhand dieselbe Haltung ein und posierte gemeinsam mit seinen beiden mittlerweile ehemaligen „Spielern“. Einer jener spontanen Momente, die zeigten, dass es im Sportmuseum nicht nur ums Anschauen ging.

Denn genau das war die Idee der Ausstellung: Sportgeschichte sollte nicht mit Abstand betrachtet, sondern erlebt werden können. Beim originalen NIKI konnten Besucher:innen selbst für Erinnerungsfotos posieren. An anderer Stelle waren sie gefragt, selbst Teil des Museums zu werden. Sie konnten festhalten, welcher österreichische Sportmoment für sie persönlich der größte war.

So entstand im Laufe des Tages neben den offiziellen Meilensteinen eine ganz eigene Sammlung: geprägt von persönlichen Erinnerungen, Emotionen und jenen Momenten, bei denen man noch Jahre später weiß, wo man damals mitgefiebert hat.

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„Plötzlich erinnert man sich wieder an Kleinigkeiten“

Auch Ski-Legende Alexandra Meissnitzer ließ sich auf die Zeitreise ein. Für sie liegt der besondere Reiz eines solchen Museums weniger in den Zahlen und Resultaten als in den Erinnerungen, die durch einzelne Gegenstände ausgelöst werden.

„Man sieht ein Foto, einen Ski oder eine Medaille und plötzlich erinnert man sich an Kleinigkeiten, an die man lange nicht gedacht hat. An die Anspannung vor einem Rennen, an Menschen, die damals dabei waren, oder an die Stimmung im Ziel. Genau das gefällt mir an dieser Ausstellung: Die Erfolge stehen zwar in den Ergebnislisten, aber die Geschichten dahinter bleiben im Kopf.“

Apropos Kopf: Über den Köpfen der Besucher:innen erzählten zahlreiche Trikots und Nationalteamdressen aus Fußball, Basketball, Eishockey, Volleyball, Handball und American Football weitere Kapitel österreichischer Sportgeschichte. Ski-Trophäen standen nur wenige Meter von Meisterpokalen aus Eishockey und Basketball entfernt.

Eine Mischung, die auch Jürgen Melzer gefiel. Der ehemalige Tennisprofi war selbst zu Gast im Sportmuseum und betrachtete die vergangenen 25 Jahre aus einer ganz eigenen Perspektive.

„Wenn man mitten in seiner Karriere steckt, schaut man eigentlich immer nur auf das nächste Match oder das nächste Turnier. Erst später bekommt man ein Gefühl dafür, dass man selbst Teil einer größeren Sportgeschichte war. Hier kommen so viele unterschiedliche Sportarten und Generationen zusammen – und trotzdem verbindet uns alle sehr viel.“

Geschichte zum Angreifen

Das Sportmuseum war zum 25-Jahr-Jubiläum erstmals Teil des Tag des Sports. Wo in früheren Jahren die „Hall of Fame“ untergebracht war, entstand für einen Tag das wohl sportlichste Pop-up-Museum des Landes. Die Idee dahinter beschrieb Michaela Schmidt bereits vor der Veranstaltung so: Die Zeitreise solle Sportgeschichte greifbar machen – lebendig werde sie aber erst durch die Menschen

Genau das passierte am Samstag. Ehemalige Spitzensportler:innen standen vor Erinnerungsstücken ihrer eigenen Karriere, aktuelle Sportgrößen entdeckten ihre Vorgänger:innen, Familien gingen gemeinsam durch 25 Jahre rot-weiß-rote Erfolge und Fans ergänzten die Ausstellung mit ihren ganz persönlichen Erinnerungen.

Am Ende erzählte das Sportmuseum deshalb mehr als nur die Geschichte von Medaillen, Pokalen und Rekorden. Es zeigte, warum bestimmte Sportmomente auch Jahre später noch etwas auslösen – bei jenen, die sie geschaffen haben, und bei jenen, die damals vor dem Fernseher, im Stadion oder an der Strecke mitgefiebert haben.