Je näher Ralf Rangnick am Samstagnachmittag der Hauptbühne kam, desto größer wurde das Gedränge. Fans zückten ihre Handys, wollten ein Foto ergattern oder dem ÖFB-Teamchef zumindest kurz zuwinken. Unterstützt wurde Rangnick beim Weg durch die Menge sogar von zwei prominenten „Leibwächtern“ aus dem heimischen Boxsport: Verbandspräsident Igor Mikitic und EM-Bronzemedaillengewinner Michael-Fares Derouiche halfen dabei, den Weg zur Bühne freizuhalten.
Ein Vorgeschmack auf das, was Rangnick wenig später auch bei der ÖFB-Pagode erwarten sollte.
Rangnick: „Sport darf in der Schule kein lästiges Nebenfach sein“
Zunächst stand um 15:25 Uhr allerdings nicht Fußball im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Thomas Mlinek, Leiter der Koordinationsstelle der Täglichen Bewegungseinheit, sprach Rangnick auf der Hauptbühne über eines seiner persönlichen Anliegen. Der Programmpunkt zur TBE war fixer Bestandteil des Jubiläumsprogramms.
Rangnick engagiert sich als Botschafter der Täglichen Bewegungseinheit dafür, Bewegung stärker im Alltag von Kindern und Jugendlichen zu verankern. Seine Botschaft am Heldenplatz fiel entsprechend deutlich aus: „Sport darf in der Schule kein lästiges Nebenfach sein. Es muss ein Hauptfach, ein Bildungsfach sein.“
Kinder müssten neue Anreize bekommen, um Bewegung gegenüber Smartphone und Bildschirm wieder attraktiver zu machen. Entscheidend sei dabei, dass Sport früh mit positiven Erfahrungen verbunden werde. „Wenn Kinder früh Erfolgserlebnisse haben, bleiben sie dran und machen weiter Sport“, erklärte der Teamchef.
Genau diese Idee war beim Tag des Sports unmittelbar neben der Hauptbühne erlebbar. Im großen Open-Air-Turnsaal der Täglichen Bewegungseinheit zeigten Bewegungscoaches, wie Bewegung spielerisch in den Alltag von Schulen und Kindergärten integriert werden kann. Die TBE gehörte zu den zentralen Mitmachangeboten der Jubiläumsausgabe.

Schmidt: „Ihm liegen Kinder sehr am Herzen“
Dass Rangnick für diese Aufgabe gewonnen werden konnte, sei kein langwieriger Prozess gewesen, erzählte Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt auf der Bühne. „Ralf musste nicht lange überredet werden. Er war früher selbst Lehrer, will viel weiterbringen. Ihm liegen Kinder sehr am Herzen.“
Der Teamchef verbindet damit Erfahrungen aus Sport und Pädagogik. Für ihn gehe es nicht ausschließlich darum, künftige Leistungssportler:innen hervorzubringen, sondern möglichst vielen Kindern die Grundlage für ein bewegtes Leben mitzugeben.
Beim Tag des Sports passte dieses Anliegen besonders gut ins Gesamtbild: Rund 80 Mitmachstationen verwandelten den Heldenplatz in eine riesige Freiluft-Sportarena, in der Kinder und Erwachsene den gesamten Tag unterschiedlichste Sportarten ausprobieren konnten.
Eine Stunde Autogramme und Selfies
Nach dem Auftritt auf der Hauptbühne war Rangnicks Arbeitstag am Heldenplatz noch lange nicht beendet. Von 16 bis 17 Uhr ging es weiter zur ÖFB-Pagode – und dort zeigte sich endgültig, wie groß die Begeisterung rund um den Teamchef und das österreichische Nationalteam ist.
Schon vor seiner Ankunft warteten zahlreiche Fans. Danach hieß es eine Stunde lang: unterschreiben, lächeln, fotografieren. Autogrammkarten wurden ebenso signiert wie Trikots und mitgebrachte Erinnerungsstücke. Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellten sich für gemeinsame Fotos an.
Rangnick nahm sich Zeit, wechselte ein paar Worte mit den Fans und erfüllte einen Fotowunsch nach dem anderen. Viele nutzten die Gelegenheit auch, um dem Teamchef persönlich zu den jüngsten Erfolgen des Nationalteams zu gratulieren.
Genau diese Nähe gehört zur Idee des Tag des Sports: Mehr als 500 aktive und ehemalige Athlet:innen waren bei der 25. Ausgabe angekündigt, viele von ihnen standen den Besucher:innen für Autogramme und Selfies zur Verfügung.

Mehr als ein Fußballtermin
Rangnicks Besuch am Heldenplatz war damit weit mehr als eine klassische Autogrammstunde. Auf der einen Seite zeigte sich die enorme Popularität des Nationalteams – von den Menschenmengen rund um die Hauptbühne bis zur langen Schlange bei der ÖFB-Pagode. Auf der anderen Seite nutzte Rangnick diese Aufmerksamkeit, um über ein Thema zu sprechen, das weit vor dem Spitzensport beginnt.
Denn bevor Kinder Nationalspieler:innen, Olympiasieger:innen oder Weltmeister:innen werden können, müssen sie zunächst eines entdecken: Freude an Bewegung.
Und genau dafür bot der Tag des Sports an diesem Nachmittag die passende Bühne.