Julia Scheib hat es geschafft: Die Steirerin sicherte sich am Samstag im schwedischen Aare mit einem überzeugenden Sieg die kleine Kristallkugel im Riesentorlauf. Damit krönt die 27-Jährige ihre bisher stärkste Weltcup-Saison und beendet zugleich eine lange Durststrecke für Österreich – zuletzt hatte Eva-Maria Brem vor zehn Jahren die RTL-Wertung für den ÖSV gewonnen.
Der Triumph kam für Scheib einen Monat nach der enttäuschenden Olympia-Entscheidung in Cortina d’Ampezzo und markiert den bislang größten Erfolg ihrer Karriere. In Schweden setzte sie sich mit ihrem fünften Saisonsieg vor der US-Amerikanerin Paula Moltzan (+0,36 Sekunden) und der Neuseeländerin Alice Robinson (+0,75) durch.
Nach dem ersten Durchgang lag Scheib noch knapp hinter der Schweizerin Camille Rast auf Rang zwei – elf Hundertstel trennten die beiden. Im zweiten Lauf zeigte die Österreicherin jedoch starke Nerven. Gleichzeitig spielte ihr auch das Renngeschehen in die Karten: Rast musste im Kampf um die Kugel alles riskieren, wollte sie doch mit einem Sieg einen Showdown beim Saisonfinale in Hafjell erzwingen. Im Steilhang ging die 26-Jährige volles Risiko – und schied aus.
Für Scheib war damit der Weg zur Kugel frei. „Es fühlt sich unglaublich gut an“, sagte die Siegerin nach dem Rennen sichtlich erleichtert. „Ich habe im zweiten Durchgang richtig kämpfen müssen, weil ich die Kugel unbedingt schon hier fixieren wollte. Mein Plan war, aggressiver zu fahren als im ersten Lauf – und das ist mir gelungen.“ Mit diesem Erfolg steht fest, dass Österreichs Skiteam in dieser Saison zumindest eine Kristallkugel gewinnt.
Team als Schlüssel zum Erfolg
Scheib selbst betonte, dass hinter ihrer konstant starken Saison ein großes Team stehe. „Dass es heuer so gut läuft, ist kein Zufall. Mein ganzes Umfeld hat einen riesigen Anteil daran – das Trainerteam, die Servicemänner und natürlich meine Familie, die mich überhaupt erst zum Skifahren gebracht hat.“
Der Grundstein für die erfolgreiche Saison war bereits beim Weltcup-Auftakt in Sölden gelegt worden, als Scheib erstmals gewann und damit endgültig der Knoten platzte.
Olympia-Enttäuschung schnell abgehakt
Nach der olympischen Enttäuschung fühlt sich der Gewinn der Riesentorlauf-Wertung für sie umso wertvoller an. „Wenn man so eine Saison fährt und sich so wohl auf den Ski fühlt, hätte man bei Olympia natürlich gern eine Medaille geholt. Das war eine Enttäuschung, aber ich konnte sie relativ schnell abhaken. Jetzt überwiegt einfach die Freude.“
Große Feierlichkeiten plant die Steirerin dennoch nicht. „Ich freue mich sehr, aber eher nach innen. Ein bisschen feiern werden wir schon – aber die Reise bis hierher war lang. Jetzt habe ich das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.“